Schleswig-Holsteins Verwaltung geht beim Umstieg auf Freie Software voran. Doch die Wirtschaft kommt kaum hinterher – das leite ich aus der Branchenstudie zur Digitalen Wirtschaft ab. Ohne öffentliche Förderung wird das schwer.
„Open-Source im Unternehmen funktioniert!“ Das haben wir beim WebMontag im Mai klar gemacht. Deutlich wurde aber auch: Viele Unternehmen brauchen dabei Hilfe und die Systemhäuser, die dabei helfen könnten, müssen erst einmal bei sich selbst anfangen.
Nun hat die Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein gemeinsam mit IHK und Wirtschaftsministerium eine Studie erarbeiten lassen, die feststellen sollte, wo das Land in Sachen Digitalisierung steht. 216 Unternehmen haben dafür einen Fragebogen ausgefüllt. Sieben Exter*innen wurden interviewt. Herausgekommen ist dabei eine erste Orientierung.
„Die Branche ist technologisch gut aufgestellt und innovationsbereit, wird jedoch durch ihre kleinteilige Unternehmensstruktur, fehlende Leuchttürme und eine zu geringe überregionale Sichtbarkeit gebremst. Die Sichtbarkeit des Standortes stimmt nicht mit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit
überein, diese ist höher. Die zu geringe Sichtbarkeit hat spürbaren Einfluss auf Investitionsentscheidungen, Talentzufluss und externe Partnerschaften. Dieses Muster ist seit 2019 stabil.“
Auffällig ist für mich vor allem, wie extrem kleinteilig die Digitalwirtschaft in Schleswig-Holstein ist. 65 % der befragten Unternehmen hat weniger als 10 Mitarbeitende!
Und was ist mit Open-Source?
Mich interessiert natürlich vor allem: Was tut sich in Sachen Open-Source und Digitaler Souveränität? Das ist nach IT-Sicherheit und „Künstlicher Intellegenz“ für zwei Drittel ein wichtiges, bis sehr wichtiges Thema. Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen hat Open-Source im Einsatz. Was auch immer das bedeutet. Läuft die Website auf einem Linux-Server oder hat sich jemand GIMP installiert?

In der Studie heißt es:
Open Source ist pragmatisch verankert: 57 % der Unternehmen nutzen quelloffene Cloud- und Collaboration-Lösungen; bei Betriebssystemen dominieren proprietäre Systeme. Entwicklung und Vertrieb eigener Open-Source-Software konzentriert sich auf kleine IT-Unternehmen. Als größter Vorteil gilt Individualisierbarkeit (76 %), als größte Hürde Kompatibilität und Integration (19 %). Digitale Souveränität spielt als explizites Argument kaum eine Rolle, obwohl die dahinterliegenden Vorteile durchaus geschätzt werden.
Mir sagt das relativ wenig. Praktisch wird es kein Unternehmen geben, das keine Open-Source-Software einsetzt – das wird nur vielen gar nicht bewusst sein. Was heißt denn zum Beispiel „Betriebssystem“? „Klar setzen wir Open-Source bei uns ein,“ hat mir mal ein Mitarbeiter eines Unternehmens gesagt, „in unserem Rechenzentrum läuft praktisch nichts anderes.“ Das mag pragmatisch sein – das Unternehmen ist aber weiterhin hart abhängig von US-Konzernen und den Launen des US-Regimes.
Das Problem damit…
Nicht nur die Landesregierung ist relevant für die nationale Sicherheit. Auch Teile der Wirtschaft sollten nicht einfach abzuschalten sein. Von alleine kommen die aber offensichtlich nicht auf die Idee, dass sie sich andere Optionen als Microsoft, Oracle & Co. suchen müssen.
So furchtbar riesig sind die meisten anderen Unternehmen in Schleswig-Holstein auch nicht. Die werden ihre IT weitestgehend an Systemhäuser und Microsoft abgegeben hat. Die Systemhäuser selbst sind aber auch noch voll auf Microsoft (bis auf das Rechenzentrum). Wie sollten sie jemanden zu Open-Source beraten?
Holger Franck machte in unserem Gespräch beim WebMontag in der Digitalen Woche klar, dass Systemhäuser nur verkaufen können, was sie selbst benutzen (Dogfooding). Nur dann haben sie das wirklich durchschaut. Er selbst stellt mit Bergwerk IT jeden Tag Unternehmen auf Open-Source um. Das geht nur, weil sie das auch intern regulär nutzen.
Jedes Systemhaus, das beim Umstieg beraten will braucht dabei beide Kompetenzen: Microsoft und Open-Source. Immerhin haben die Kunden ein bestehendes Microsoft-System, das weiter betrieben und abgelöst werden muss.
Wenn man jetzt aber ein klassisches Systemhaus mit Microsoft-Fokus betreibt, müsste man erst Leute einstellen, die Linux und Open-Source können, oder die eigenen Leute weiterbilden. Oder es müssen sich neue Systemhäuser gründen, die direkt mit Open-Source starten – ohne Kunden.
Das war überhaupt mein Impuls dafür, Holger Franck zum WebMontag einzuladen: Mir sagten Systemhäuser, dass sie gar keine Kunden haben, die nach Open-Source fragen und Unternehmen sagten mir, dass sie keinen Dienstleister finden, der ihnen bei der Umstellung hilft.
Mittlerweile kenne ich das eine oder andere Unternehmen in Schleswig-Holstein, dass sich das zutraut. Aber da ist noch viel Luft nach oben.
Konversions-Förderung
Das Land hat sich Dataport aufgebaut, um einen Dienstleister zu haben, der Open-Source kann und bei der Umstellung und dem weiteren Betrieb hilft. Das braucht auch die Wirtschaft in Schleswig-Holstein: Einen Anschub, der das Risiko abfängt, dass man umstellt und dann keine Kunden findet.
Das Land müsste gezielt fördern, dass Systemhäuser mit Open-Source-Schwerpunkt entstehen und dann Unternehmen bei der Umstellung fördern – vielleicht zum Start die NIS2-Unternehmen. Dann könnten bundesweit aktive Systemhäuser entstehen, die mit „Open-Source-Kompetenz aus Schleswig-Holstein“ punkten.
Auch wenn der Mythos besagt, dass Unternehmen Risiken eingingen – die Erfahrung aus dem Silicon Valley zeigt: Besser geht es, wenn der Staat die Risiken eingeht und dann viele Unternehmen davon profitieren. Die Branchenstudien sagt es: Haupthemmnis bei Innovationen sind die Kosten.
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Open Source in Unternehmen funktioniert – wir machen das jeden Tag!

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