âKurzschlussâ â Das erste Podcast-Interview mit Claudia Kemfert zu ihrem neuen Buch.
Prof. Dr. Claudia Kemfert ist Energieökonomin, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Professorin fĂŒr Energieökonomie und -politik an der Leuphana UniversitĂ€t LĂŒneburg. Ich spreche ihr ĂŒber ihr neues Buch Kurzschluss â Wie wir unsere Energiezukunft verspielen (Campus Verlag, erscheint 19. MĂ€rz 2026) â und das in einem besonderen Rahmen: Es ist mir eine groĂe Ehre, das erste Podcast-Interview ĂŒberhaupt mit Claudia zu ihrem neuen Buch fĂŒhren zu dĂŒrfen. Ein Appell, âgerade jetztâ die Hoheit ĂŒber Debatten und politische Entscheidungen faktenbasiert zu hinterfragen und Politiker*innen auf fossilem Kurs die MythenrĂ€ume durch Wissen und Mut zu nehmen.
âââ
Werbung: Nachhaltigkeit ist fĂŒr mich keine Lifestyle-Frage, sondern eine strukturelle. soulbottles denkt genauso. Trinkflaschen aus Glas und Edelstahl â plastikfrei, transparente Lieferkette, zertifizierte B-Corp. Ăber 1,6 Millionen Euro haben sie bereits fĂŒr sauberes Trinkwasser gesammelt und unterstĂŒtzen gemeinsam mit Viva con Agua ein Klimaschutz- und Trinkwasserprojekt in Sambia. Plus: Als nachhaltiges Unternehmensgeschenk eine echte Alternative zu Wegwerf-Merch: eine Flasche mit Haltung.
đ soulbottles.com â mit dem She-Drives-Mobility Code souldriver gibt es 16 % Rabatt!
âââ
Was ist ein âKurzschlussâ â und warum trifft der Begriff so genau?
Claudia erklĂ€rt, wie die Titelmetapher ihres Buches entstand und was sie ĂŒber Jahrzehnte deutscher Energiepolitik aussagt. Ein Kurzschluss entsteht, wenn Strom den falschen Weg nimmt â kurz und heftig, wenn man nicht eingreift, legt er das ganze System lahm. Genau das, so Claudia, passiert in der deutschen Energiepolitik seit Jahrzehnten: falsche Annahmen, kurzfristiges Denken, und am Ende zahlen alle den Preis.
Das Buch ist aus Claudias mittlerweile eingestellten MDR-Klimapodcast hervorgegangen (sie hat aber zwei weitere unter anderem bei der Frankfurter Rundschau), der vier Jahre lang zentrale Energiethemen behandelte. Es ging ihr darum, diese Themen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen â denn sie sind so brennend aktuell wie eh und je.
Woher kommt die Kraft â nach Jahrzehnten des Wiederholens?
Ich beginne unser GesprĂ€ch mit einer Frage nach Claudias Durchhaltevermögen. 2022 habe ich gemeinsam mit Tino Pfaff als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg eine Bundestagspetition fĂŒr eine ölfreie MobilitĂ€t eingereicht â mit konkreten MaĂnahmen wie der Verstetigung des 9-Euro-Tickets und dem Ende der Plug-in-Hybrid-Förderung im Dienstwagenbereich. Die Petition erreichte das Quorum, wurde im Bundestag angehört â und dann nie wieder erwĂ€hnt. Alle MaĂnahmen von damals sind 2026 noch genauso gĂŒltig.
Claudia kennt dieses GefĂŒhl, manche Fragen schon 1080 Mal beantwortet, viele Antworten und Lösungen bereits prĂ€sentiert zu haben. Und trotzdem:
âIch glaube, dass das wichtig ist, auch wenn so eine Petition in der Schublade verschwindet. Meine BĂŒcher sind auch irgendwo in der Schublade. Irgendwas verschwindet immer die ganze Zeit in Schubladen. Aber dennoch, es lohnt sich. Wir brauchen unsere Stimmen, weil es so viele Gegenstimmen gibt. Und da mĂŒssen wir in irgendeiner Form gegenhalten. Wir brauchen Fakten statt Desinformationen.â
Das gröĂte Hemmnis: der politische Kurzschluss zwischen Problem und Lösung.
Claudia beschreibt das Grundmuster, das sich seit Jahrzehnten wiederholt: Anstatt bei einer Krise die Ursachen zu beseitigen â die AbhĂ€ngigkeit von fossilen Energien â werden bestehende fossile Strukturen stabilisiert. Neue Gaslieferanten, neue fossile Infrastruktur, neue AbhĂ€ngigkeiten, neue Krisen. Ein Teufelskreis, der sich nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine in Zeitlupe wiederholt hat. Und der gerade erneut durch die Militarisierung unseres Landes verschĂ€rft wird.
âDas gröĂte Hemmnis sind diese energiepolitischen KurzschlĂŒsse, die wir permanent haben, dass wir die falschen SchlĂŒsse daraus ziehen und Fehlentscheidungen machen aufgrund von aktuellen Krisen.â
Die Schlagworte âHeizungshammerâ, âDunkelflauteâ und âVerbotskulturâ sind fĂŒr Kemfert keine zufĂ€lligen Begriffe â sie sind gezielte Narrative, die Verwirrung stiften und Menschen davon abhalten, faktenbasiert zu urteilen. Ein ganzes Kapitel ihres Buches widmet sie der Frage, wie diese Zweifel entstehen, wer Interesse daran hat, sie zu verstĂ€rken â und wie man ihnen mit Argumenten begegnen kann.
âWir reden ĂŒber WĂ€rmepumpen, als wĂ€ren sie eine Bedrohung. Wir reden ĂŒber Elektroautos, als seien sie eine Ideologie. Ăber erneuerbare Energien, als sei sie ein Risiko. Und dabei ist alles doch lĂ€ngst RealitĂ€t und auch ökonomisch sinnvoll.â
Unternehmen, die das Richtige tun â und dafĂŒr bestraft werden.
Ich berichte von einer Veranstaltung, bei der VAUDE, ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen trotz 40 Prozent weniger Emissionen und 28 Prozent mehr Umsatz zunehmend gegen aufgeweichte politische Rahmenbedingungen ankĂ€mpft. Claudia kennt dieses Bild aus vielen Branchen â und benennt das zentrale Problem klar:
âDas ist höchst problematisch, dass die Politik stĂ€ndig die Rahmenbedingungen Ă€ndert, verschlechtert und GeschĂ€ftsmodelle, auf die sie sich verlassen haben, torpediert und immer so tut, als wĂ€re die Welt nur eine Fossile, denen man den roten Teppich rollen muss. Und die nicht fossil sind und die nicht emissionsintensiv sind, denen wird das Leben schwer gemacht.â
Besonders kritisch bewertet Claudia die Aufweichung von Lieferkettenstandards und Umweltschutzvorschriften: Diese seien keine BĂŒrokratieverringerung, sondern Planungsunsicherheit â das schĂ€dlichste, was man Unternehmen antun kann, die langfristig investieren wollen.
Rechtsruck, fossile Lobby und die Frage der Demokratie.
Warum ist der Rechtsruck so stark mit fossilen Interessen verbunden? Claudia beschreibt ein System, das ĂŒber Jahrzehnte riesige wirtschaftliche und politische Netzwerke aufgebaut hat â und das nun, da erneuerbare Energien diese Strukturen ernsthaft bedrohen, mit allen Mitteln der Desinformation zurĂŒckschlĂ€gt.
âDas fossile Energiesystem ist ĂŒber Jahrzehnte hinweg zu einer enorm mĂ€chtigen Struktur geworden. Und wenn nun wirklich klar wird, dass dieses System mit erneuerbaren Energien ersetzt werden muss, dann geraten diese GeschĂ€ftsmodelle voll unter Druck. Und in solchen Situationen sehen wir hĂ€ufig diese Strategien: Zweifel sĂ€en, Unsicherheiten erzeugen, politische Debatten verzögern.â
Und die eigentliche Paradoxie:
âFossile Energien sind einer der gröĂten Treiber geopolitischer Konflikte, wirtschaftlicher Unsicherheit und auch sozialer Krisen. Und trotzdem wird es so hĂ€ufig so getan, als wĂ€re ausgerechnet die Energiewende das Risiko. Es wird immer genau umgedreht.â
FĂŒr Claudia ist die Energiewende deshalb nicht nur Klimaschutz:
âDie Energiewende ist auch eine Frage von Demokratie, ist auch eine Frage von wirtschaftlicher Zukunft. Und auch von geopolitischer StabilitĂ€t und letztendlich auch Freiheit und Frieden.â
Was Deutschland noch kann â und was es verpasst hat.
Claudia rĂ€umt mit dem Bild auf, Deutschland sei in allen Bereichen abgehĂ€ngt. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz hat Deutschland weltweit MaĂstĂ€be gesetzt. In der Umweltschutztechnologie â von Energiesparen bis Wasseraufbereitung, Recycling bis Netzmanagement â ist Deutschland noch immer fĂŒhrend. Ăber 2,5 Millionen Menschen arbeiten in diesem Bereich.
Gleichzeitig benennt sie klar, was verpasst wurde: Batterieforschung, ElektromobilitĂ€t, Solartechnik. Und Chinas inzwischen ĂŒbermĂ€chtige Stellung:
âDie sagen uns aktuell, wir sehen euch ja noch nicht mal mehr im RĂŒckspiegel, wo seid ihr denn ĂŒberhaupt?â
Ihr Urteil zur deutschen Autoindustrie ist scharf:
âDer Diesel-Skandal, das war ja keine Panne. Das war das Ergebnis einer Industrie, die lieber betrog, als sich zu verĂ€ndern. Und dabei hĂ€tte der deutsche Ingenieursgeist die ElektromobilitĂ€t auch weltweit anfĂŒhren können.â
Atomkraft â das teuerste MĂ€rchen.
Claudia widmet einem ganzen Kapitel ihres Buches der Frage, warum Atomkraft keine Lösung ist. Ihr Urteil ist eindeutig:
âAtomenergie ist die teuerste Form der Energieerzeugung. Das kann man nicht oft genug sagen. Ja, es hilft, mit LĂ€ndern Atombomben zu bauen. Aber liebe Leute, wenn wir das tun, dann können wir auch gleich den ganzen Laden abschlieĂen.â
Selbstwirksamkeit â und der Schlussappell gegen die Lethargie.
Zum Abschluss wendet sich Claudia gegen das GefĂŒhl der Ohnmacht, das viele angesichts des gerissenen 1,5-Grad-Ziels erfasst. Ihr Appell ist klar und ohne falschen Trost:
âJedes zehntel Grad zĂ€hlt. Es geht hier ja nicht nur Technologie und Politik, es geht auch Selbstwirksamkeit. Viele Menschen haben ja heute das GefĂŒhl, die Herausforderungen seien so groĂ, dass sie selbst nicht mehr ausrichten können. Das stimmt nicht.â
**Kurzschluss â Wie wir unsere Energiezukunft verspielen** von Claudia Kemfert erscheint am 19. MĂ€rz 2026 im Campus Verlag. Vorbestellungen helfen, Sichtbarkeit fĂŒr neue Ideen zu schaffen.
#Blogbeitrag #Podcast #SheDrivesMobility
soulbottles â plastikfreie Trinkflaschen aus Glas oder Edelstahl seit 2012! Auslaufsicher, mit BĂŒgelverschluss & einzigartigen Motiven. Jetzt entdecken!
soulbottles