Wenn Sie die Lösung Ihres Trennungskonfliktes angehen, dann ist es hilfreich, die Schritte aufeinander abzustimmen und hierbei jeweils die Prioritäten festzulegen. Ansonsten besteht die Gefahr, aufgrund der vielschichtigen und vielfältigen Probleme mit der Situation überfordert zu werden.

Diese Abfolge soll Ihnen dabei helfen, diesen Prozess strukturiert angehen zu können und gleichzeitig die Sicherheit zu geben, dass Ihre Bedürfnisse nicht vernachlässigt werden.
📌Schritt 1: eigene Lage sortieren (Innere Klarheit schaffen)
Priorität: Hoch
• Schreiben Sie sich auf, welche Themen geregelt werden müssen (Kinder, Unterhalt, Vermögen, Wohnung).
• Überlegen Sie: Was ist mir am wichtigsten? (z. B. Stabilität für die Kinder, finanzielle Sicherheit, friedliche Kommunikation).
• Legen Sie Ihre Grenzen fest: Was ist für mich verhandelbar – und was nicht?
📌Schritt 2: erste Orientierung einholen
Priorität: Hoch
• Nehmen Sie auch Kontakt zu einer Beratungsstelle oder einem Verein (z. B. Pro Familia, Jugendamt, Caritas, ISUV) auf.
• Erfragen Sie dort die Möglichkeiten, wie Sie in dem Verfahren unterstützt werden können (Beratung, Mediation, rechtliche Hinweise).
• Prüfen Sie, ob Sie schon ein Erstgespräch mit einer Mediatorin/einem Mediator führen können.
📌Schritt 3: geeignete Verfahrensart auswählen
Priorität: Hoch
• Stellen Sie die Frage, welche Verfahrensart für Sie in Frage kommen könnte: Passt Mediation, Kooperative Praxis oder eher anwaltlich geführte Verhandlung zu meiner Situation?
• Nutzen Sie dafür die Fragen-Checkliste und den Fragenkatalog (die wir erstellt haben und Sie unten direkt herunterladen können).
• Wählen Sie ein Verfahren, in dem Sie sich auch sicher und gut aufgehoben fühlen.
📌Schritt 4: rechtliche Absicherung klären
Priorität: Mittel bis Hoch
• Informieren Sie sich auch über die rechtlichen Grundlagen für die zu klärenden Themen (z. B. Unterhalt, elterliche Sorge, Zugewinnausgleich).
• Klären Sie ab, wie Rechtssicherheit hergestellt werden kann und ob eine notarielle Beurkundung nötig sein wird (z. B. bei Scheidungsfolgenvereinbarungen, Eheverträgen Immobilien u.a.).
📌Schritt 5: Start der Gespräche
Priorität: Mittel
• Vereinbaren Sie ein erstes Mediations- oder Beratungsgespräch.
• Bereiten Sie die wichtigsten Unterlagen vor und erfragen Sie, ob diese schon beim ersten Gespräch mitgebracht werden sollen (z. B. Einkommensnachweise, Miet-/Hausunterlagen, Informationen zur Betreuung der Kinder).
• Nutzen Sie Ihre Überlegungen aus Schritt 1, um die eigenen Anliegen klar zu sortieren und im Erstgespräch darzulegen.
📌Schritt 6: Vereinbarungen dokumentieren und absichern
Priorität: Hoch
• Stellen Sie sicher, dass die Ergebnisse schriftlich festgehalten werden.
• Lassen Sie die Vereinbarungen gegebenenfalls anwaltlich prüfen.
• Wenn gesetzlich vorgesehen, dann stellen Sie auch die anschließende notarielle Beurkundung oder die gerichtliche Protokollierung der Ergebnisse sicher.
📌Schritt 7: Nachbereitung & Stabilisierung
Priorität: Mittel
• Überprüfen Sie nach einiger Zeit: Funktionieren die getroffenen Absprachen im Alltag?
• Wenn nötig: steuern Sie mit einer erneuten Mediationssitzung oder Anpassung des vereinbarten modus vivendi nach.
• Sorgen Sie auch für sich selbst: Nutzen Sie auch Beratungsangebote oder Unterstützung, um emotional stabil zu bleiben. Es gibt auch Vereinigungen, in denen Betroffene sich gegenseitig austauschen und unterstützen (beispielsweise ISUV-Stammtisch). Überlegen Sie, ob und wie Sie sich hier Unterstützung holen können oder sich in die Gemeinschaft mit einbringen können.
flic.kr/p/2mw3ckn
🎯 Prioritätenliste
1. Innere Klarheit schaffen → Was will ich? Was geht für mich nicht?
2. Orientierung & Beratung → Erste Anlaufstellen nutzen, neutrale Infos einholen.
3. Verfahrensart wählen → Mediation, Kooperative Praxis oder anwaltliche Verhandlung.
4. Rechtliche Absicherung → fachliche Kompetenzen einbeziehen, rechtliche Grundlagen klären.
5. Gespräche starten & Unterlagen einbringen → Praktisch in den Prozess einsteigen.
6. Vereinbarungen schriftlich fixieren → Sicherheit & Verbindlichkeit herstellen.
7. Nachbereitung & Stabilisierung → Alltag überprüfen, bei Bedarf nachjustieren.
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Fragenkatalog für das Erstgespräch mit der Mediatorin / dem Mediator
Wenn Sie sich entschlossen haben, dass Mediation für die Klärungen in Ihrer Situation eine Option sein könnte, sollten Sie sich auf das Erstgespräch vorbereiten. Dabei geht es in erster Linie darum, dass Sie sich nicht nur darüber sicher sein können, dass das für Sie ein geeigneter Weg sein könnte, sondern dass Sie sich auch dem konkreten Mediator oder der konkreten Mediatorin gerne anvertrauen wollen.

Das bedeutet, dass es hier nicht darum geht, welche Themen Sie in den Mediationsprozess einbringen wollen, sondern um die Rahmung dessen, also wie hier gearbeitet werden soll und wie der Mediator/die Mediatorin die Rolle in diesem Prozess der Konfliktklärung und Konfliktlösung einzunehmen und auszufüllen in der Lage ist.
❓ 1. Qualifikation & Erfahrung
An erster Stelle stehen die Fragen nach Qualifikation und Erfahrung. Das ist für die Begründung einer vertrauensvollen Zusammenarbeit elementar.
- Welche Ausbildung oder Zertifizierung in Familienmediation haben Sie?
- Seit wann arbeiten Sie als Mediator:in?
- Wie viele Trennungs- oder Scheidungsfälle haben Sie bereits begleitet?
❓ 2. Ablauf & Methodik
Mediatorinnen und Mediatoren haben die Methoden alternativer Konfliktlösungsinstrumente gelernt und erprobt. Gleichwohl kann von den Mediantinnen und Medianten nicht verlangt werden, dass sie sich in ein Verfahren begeben, in dem ihre eigenen Bedürfnisse thematisiert werden, bei dem keine Transparenz über das weitere Vorgehen schon von Beginn an hergestellt wird. Erfahrung und professionelle Kenntnisse führen auch dazu, dass es nicht „das eine“ Verfahren gibt, das als bekannt vorausgesetzt werden darf. Deswegen ist es wichtig, dass Sie sich im Erstgespräch über Abläufe und Methoden erkundigen und sich Klarheit verschaffen.
- Wie läuft ein typisches Mediationsverfahren bei Ihnen ab (Anzahl Sitzungen, Dauer, Struktur)?
- Bieten Sie auch ein unverbindliches Vorgespräch an?
- Wie stellen Sie sicher, dass beide Parteien gleichberechtigt gehört werden?
- Wie gehen Sie damit um, wenn die Gespräche sehr emotional oder festgefahren sind?
- Arbeiten Sie auch mit getrennten Sitzungen („Einzelgesprächen“), wenn das hilfreich sein könnte?
❓3. Neutralität & Schutz
Allparteilichkeit ist eines der zentralen Elemente eines Mediationsverfahrens. Darüber hinaus muss auch die Vertraulichkeit des geschützten Raumes in der Mediation gewährleistet werden. Für Sie als Mediantin oder Mediant ist es entscheidend, dass Sie sich auch in den Situationen, in denen es besonders darauf ankommt, sicher und geschützt fühlen können und Sie in einem Raum der Neutralität und der Vertraulichkeit zusammen im Verfahren voranschreiten können.
- Wie gewährleisten Sie Ihre Neutralität im Verfahren?
- Was tun Sie, wenn ein Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten besteht?
- Wie gehen Sie mit Situationen um, in denen eine Partei die Mediation blockiert oder dominiert?
❓ 4. Inhalte & Rechtsfragen
In einem Mediationsverfahren wird kein Rechtsrat erteilt. Gleichwohl bewegen Sie sich in einem rechtlichen Rahmen. Wie dieser Balanceakt gelingen kann, sollten Sie vorab besprechen.
Welche Themen können wir in der Mediation besprechen (z. B. Kinder, Unterhalt, Vermögen, Wohnsituation)?
- Geben Sie rechtliche Auskünfte oder arbeiten Sie mit Anwält:innen/Notar:innen zusammen?
- Wie wird das Ergebnis rechtlich verbindlich gemacht?
❓ 5. Rahmenbedingungen & Kosten
Mediation kostet Geld. Es ist daher wichtig, dass die Kostenfrage vor dem Abschluss der Vereinbarung geklärt wird.
- Welche Kosten fallen an (pro Stunde, pro Sitzung, Gesamtpaket)?
- Gibt es eine Kostenteilung zwischen den Parteien?
- Wie lange dauert im Durchschnitt eine gesamte Mediation bei Trennung/Scheidung?
- Gibt es Fördermöglichkeiten, Zuschüsse oder Gerichtshilfen?
❓6. Persönliches & Passung
Mediatorinnen und Mediatoren sind auch Menschen. Deswegen muss nicht nur die fachliche Eignung für die Auswahl sprechen. Damit das Verfahren zu einem guten Abschluss gebracht werden kann, darf nicht vernachlässigt werden, dass auch zwischen den Beteiligten insofern „die Chemie“ stimmt.
- Was ist Ihnen persönlich bei der Begleitung von Trennungskonflikten wichtig?
- Was unterscheidet Ihre Arbeit von anderen Mediator:innen?
- Wie gehen Sie vor, wenn nach einigen Sitzungen klar wird, dass eine Einigung nicht möglich ist?
👉 Praxis-Tipp:
Notieren Sie sich die Antworten stichpunktartig. Am Ende sollten Sie insgesamt das Gesamtbild, das sich Ihnen bietet, prüfen:
- Fühle ich mich mit dieser Person wohl und verstanden?
- Ist der Ablauf für mich transparent?
- Sind die Kosten klar und machbar?
- Traue ich dieser Person zu, auch schwierige Situationen zu moderieren?
Wenn Sie sich so auf das Erstgespräch vorbereiten, dann können Sie für sich selber einschätzen, ob das gewählte Mediationsverfahren mit dieser Mediatorin oder diesem Mediator für Sie in Frage kommen könnte – oder eben nicht. Die genannten Stichpunkte sollen Ihnen daher bei der Entscheidungsfindung helfen.
flic.kr/p/2mw3ckn
Am Ende ist es so, dass, wenn dieses Vertrauensverhältnis in diesem geschützten Raum eines Mediationsverfahrens hergestellt werden kann, auch die Lösung Ihrer Konflikte auf einer guten Grundlage bearbeitet werden kann.
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*Mediator // Dipl.Forstwirt (univ.) // ass. iur. * Roland Hoheisel-Gruler * Josefinenstraße 11/1, 72488 Sigmaringen * Tel.: 07571-52227 * Fax: 07571-50285 * E-Mail: kontakt (at) elfstricheins.de * …
Roland Hoheisel-Gruler (elfstricheins)