ich fands bemerkenswert, wie entspannt untereinander sehr verschiedene Akteur_innen am 5.12. den Protesttag gegen die #Wehrpflicht in #Dresden begangen haben. ein paar Gedanken dazu:
rant.li/kamikadse161/querfrontâŚ
Querfront fĂźr den Frieden?
am Freitag, den 5.12. haben auch in Dresden viele SchĂźler_innen gegen die EinfĂźhrung der Wehrpflicht protestiert. Ort der zentralen Kundgebung war der Postplatz, die organisatorische Regie fĂźhrte in Dresden sichtbar die âSozialistische Deutsche Arbeiterjugendâ SDAJ. Aber auch andere politische Gruppen waren anwesend: Flyer wurden auch verteilt vom Roten Baum (Partei die Linke), von der âKommunistischen Organisationâ KO, vom âBĂźndnis Sahra Wagenknechtâ BSW, von der âBĂźrgerrechtsbewegung Solidaritätâ BĂźSo. Ansonsten gab es da Menschen mit Fahnen der âFreien Arbeiter*innen Unionâ FAU, Menschen mit Schildern des âInternationalistischen Zentrumsâ IZ, es gab aber auch Leute die eins gelegentlich bei den montaglichen Dresdner Fascho-UmzĂźgen von Marcus Fuchs & Co. schon sehen konnte und Interviews des Youtube-Faschokanals âDeutschlandkurierâ.Flyerschau
Die SDAJ verteilte ein Heftchen, welches die Wehrpflicht in ihr Schema der Welterkärung einpasst, z.B. zur âSicherung der Vormachtstellung des westlichen Imperialismusâ, aber auch organisatorische Tangenten dazu mitbearbeitet wie âGewerkschaftsbasis und Friedenskampfâ â ob es diese Position ist, welche die FAU-Menschen angesprochen hat?Der Flyer von der KO wird direkt geschichtsrevisionistisch. Eine Chronologie, welche mit Rosinenpickerei versucht darzustellen wie Russland â und irgendwie die ganze Welt â von der NATO kriegerisch bedroht wird, macht Georgien dafĂźr verantwortlich, von Russland Ăźberfallen worden zu sein. Ebenso stellt sich die Agression gegen die Ukraine seit 2014 dar, die sich bei der KO wie eine Parallelrealität liest. In der Aussenperspektive fast schon lustig: der Milliardär, Terrorfinanzier und ehemalige Diktator von Lybien Ghadaffi ist bei ihnen Ăźbrigens ein Freiheitskämpfer gegen die USA.
Das BSW empfiehlt den SchĂźler_innen ab 17 sich zu einer Kaserne zu begeben und sich freiwillig mustern zu lassen um im Anschluss den Kriegsdienst formell verweigern zu kĂśnnen.
Die Propaganda der BĂźSo â den Ălteren eine vielleicht aus den 90ern und 00ern noch bekannte Querfrontsekte â versucht ihre Ăźblichen Punkte an das Thema anzupassen. Unscharfe, nach Antiimperialismus klingende Formulierungen, die oberflächlich vielleicht China huldigen, knĂźpfen ein bisschen an die abstrakte Friedensrhetorik der 80er Jahre an, dies kĂśnnte auch am Alter der SektenfĂźrstin liegen.
Wer ist warum da?
Warum die SchĂźler_innen da sind, ist sehr einfach zu verstehen: sie haben einen genuinen Grund, sich gegen die Wehrpflicht zu stellen: sie sind von ihr direkt betroffen.Warum autoritäre marxistische Gruppen wie die SDAJ und die KO auflaufen ist der gleiche Grund wie warum rechte Gruppen wie BSW oder BĂźso da auftauchen: die einen wollen im Aussenbild davon profitieren dass da ein grosser Protest war den sie mindestens teilweise vereinnahmen konnten â Punkt fĂźr SDAJ, vielleicht auch fĂźr PdL und BSW mit Interviews im Lokalfernsehen â zum anderen bieten sie den anwesenden Jugendlichen eine Interpretation der Gesamtsituation an, welche direkt auf ein Weltbild hinausläuft. Sie sind also da, um Sympathisant_innen zu gewinnen.
Das Angebot der organisierten Kadergruppen an Leute, die sich an das unĂźbersichtliche Feld sehr linker Bewegung erst noch gewĂśhnen, ist Orientierung. Die Welt wird in einen einfachen Pseudokampf gegen âdie da obenâ aufgeteilt, welcher gesellschaftliche Konflikte verschleiert und echte Kritik erschwert. Und an genau der Stelle ergibt sich die Gelegenheit fĂźr die Querfront: so einen Pseudokampf haben Rechte auch. Die Schuldigen werden manchmal anders benannt, eins selbst aber ist auf der Seite der âGutenâ weil eins sich irgendwie âuntenâ fĂźhlt.
Was genau treibt eigentlich sich als anarchistische oder antiautoritäre Linke Verstehende dazu, sich da einfach dazuzustellen? Wie ist es so als Anarchist_in ohne eigene Botschaft direkt neben Leuten zu stehen, in deren Organisationen es genßgend Menschen gibt welche die militärischen Morde des Bolschewismus an Anarchist_innen immer noch richtig finden? Wie fßhlt es sich an als Klatschvieh fßr welche zu erscheinen, die zwar den einen Imperialismus verteufeln, zu den anderen aber schweigen oder sie verschleiern? Wo waren ein paar solidarische Leute, welche das Faschoteam abdrängen oder der Kundgebung verweisen?
Antiautoritäre Linke haben keine eigene Position zu Wehrpflicht und Militarismus artikuliert. Sie haben offensichtlich auch keine Kritik an autoritären Linken. Eine ungute Wiederholung vom 1. September diesen Jahres, als antiautoritäre Linke â ebenfalls ohne eigene Message oder Kritik â gemeinsam mit Autoritären gegen Militarismus demonstrierten.
Und autoritäre Linke, welche als Organisateur_innen auftreten, haben sehr offensichtlich kein Interesse an Abgrenzung zu Rechten oder gar Antifaschismus.
Ich als antiautoritärer Linker wßrde mir wßnschen, dass Linke mehr auf ihre Prinzipien schauen als darauf, einem wohligen Bewegungsgefßhl hinterherzujagen. Dazu wßrde gehÜren, autoritäre Querfronten zwischen Pazifist_innen und Unterstßtzer_innen eines militärisch expandierenden Staates zu kritisieren genauso wie welche zwischen linken und rechten vermeintlichen Kritiker_innen des Kapitalismus.
danke an ein paar Menschen fĂźr frĂźhzeitige Kritik an diesem Rant