Ich bin mehr und mehr überzeugt davon, dass es Themen nicht gut tut, wenn sie zu sehr Teil der sogenannten öffentlichen Debatte werden. Denn je öffentlicher die Debatte, desto weniger ist sie eine echte Debatte und schon gar kein Dialog, sie ist irgendwann nur noch ein Kampf um die Deutungshoheit. Sobald ein Thema auf großer Bühne stattfindet, haben Inhalte und Sachlichkeit schnell verloren, zu Gunsten der Empörung und der kurzen Triumphe.
Zur Causa Brosius-Gersdorf machte der Kollege Stefan Detjen vom Deutschlandfunk vergangenen Sommer folgende Beobachtung:
„Das Ding findet im vollen, gleißenden Licht der Öffentlichkeit statt. Plenum des Bundestages. Hochgradig politisiert. Im Politikpodcast reden wir über Namen von Verfassungsrechtlerinnen, die Richter werden sollen. Und wir sehen gleichzeitig, wie diese Art von Öffentlichkeit und damit einhergehender Politisierung im Ergebnis dazu führen kann, dass das Ganze scheitert und Institutionen beschädigt werden.“
... show moreIch bin mehr und mehr überzeugt davon, dass es Themen nicht gut tut, wenn sie zu sehr Teil der sogenannten öffentlichen Debatte werden. Denn je öffentlicher die Debatte, desto weniger ist sie eine echte Debatte und schon gar kein Dialog, sie ist irgendwann nur noch ein Kampf um die Deutungshoheit. Sobald ein Thema auf großer Bühne stattfindet, haben Inhalte und Sachlichkeit schnell verloren, zu Gunsten der Empörung und der kurzen Triumphe.
Zur Causa Brosius-Gersdorf machte der Kollege Stefan Detjen vom Deutschlandfunk vergangenen Sommer folgende Beobachtung:
„Das Ding findet im vollen, gleißenden Licht der Öffentlichkeit statt. Plenum des Bundestages. Hochgradig politisiert. Im Politikpodcast reden wir über Namen von Verfassungsrechtlerinnen, die Richter werden sollen. Und wir sehen gleichzeitig, wie diese Art von Öffentlichkeit und damit einhergehender Politisierung im Ergebnis dazu führen kann, dass das Ganze scheitert und Institutionen beschädigt werden.“
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Für Journalist*innen, die gelernt haben und die innere Überzeugung haben, dass Transparenz und das Licht der Öffentlichkeit notwendig sind für die Demokratie, ist das eine ziemlich erschütternde Beobachtung.
Für Menschen, die politische Themen sachlich voranbringen wollen, ergibt sich vorerst daraus folgende Schlussfolgerung: Der Wandel findet nicht in der ersten Reihe statt, wo Themen Gefahr laufen, im gleißenden Licht zerrieben zu werden. Der Wandel findet in der dritten, vierten, fünften Reihe statt. Nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit, das wäre auch falsch. Aber ein wenig am Rand, wo sich nicht alle Aufmerksamkeit konzentriert, sondern die richtige Aufmerksamkeit.
Für Journalist*innen ergibt sich: Es kommt hier, wie bei vielen Dingen, auf die Intensität an. Das Licht der Öffentlichkeit sollte angenehm hell sein, sollte Fakten, unterschiedliche Positionen, ggf. niedere Beweggründe sichtbar machen. Es darf aber die Themen nicht in gleißende Helligkeit tauchen, die blendet und in den Augen schmerzt. Nur wenn wir Journalist*innen unsere Scheinwerfer und Taschenlampen der Situation angemessen einsetzen, können wir im wahrsten Sinn zur Erleuchtung beitragen.
#Politik #Journalismus #Demokratie #Medien #depol
Weil die Unionsfraktion wider die Absprachen für keine nötige Mehrheit sorgen wollte, wurde im Bundestag die Wahl dreier Richterpersonen abgesagt.
Deutschlandfunk