Als wir Bonn.digital vor 10 Jahren gegründet haben, haben Johannes und ich eher nicht erwartet, dass wir einmal eine Social-Media-Plattform wie Bonn.social aufbauen. Wir haben das nicht alleine gemacht. Es ist ein Gemeinschaftswerk zusammen mit euch. Das ist es, was Community ausmacht. Und darum sehen wir uns auch verpflichtet euch Einblick und Ausblick zu geben. Schon hier möchten wir Danke sagen und euch ermuntern: Unterstützt uns weiter! Und lasst uns gemeinsam das Fediverse zum Wachsen bringen.
Zahlen, Daten, Fakten
Auf Bonn.social haben sich insgesamt ca. 1600 Accounts registriert. Davon sind weiterhin ca. 500 Menschen im Schnitt monatlich aktiv. Im Vergleich zu 2024 sind ca. 260 Accounts dazugekommen. Auf dem Server haben wir ca. 33 GB an Daten von der lokalen und ca. 230 GB von externen Instanzen, der Speicherbedarf wächst also, ist aber noch gut zu managen.
Das Fediverse, bei dem Bonn.social nur ein Teil ist, wächst ebenso langsam, aber kontinuierlich weiter. Laut FediDB.com gibt es ca. 13 Mio. Accounts (davon 1 Mio. aktiv) auf ca. 43.000 Servern mit 67 verschiedenen Tools (am bekanntesten: Mastodon, Pixelfed, WordPress,…), die Teil des Fediverse sind. Das Fediverse insgesamt wächst langsam und organisch, aber es geht auch nicht wieder weg.
Auf Bonn.social posten wir monatlich eine automatisch erstellte Übersicht über die aktuellen Zahlen, damit ihr auch das ganze Jahr über auf dem laufenden seid.
bonn.social/@bonnsocial/116146…
Bonn.social alleine ist nicht das Fediverse: 2025 haben wir Bonn.pics (Pixelfed) für die moderierte Registrierung geöffnet. Seitdem haben sich 150 Accounts registriert, davon sind 41 aktiv. Pixelfed wird immer noch aktiv weiterentwickelt und hat noch manche Problemchen, weswegen wir es noch nicht all zu aktiv bewerben. Dan Supernault hat 2025 ein Crowdfunding erfolgreich abgeschlossen und ist seitdem fleißig dabei Pixelfed, aber auch Loops mit Hochkantvideos a la TikTok zu entwickeln.
Alle unsere Blogs, auch der von Bonn.digital, sind dank des ActivityPub-Plugins Teil des Fediverse. Und besonders der Artikel über den PeerTube-Umzug von Sascha Pallenberg zeigt mit über 300 Reposts, 400 Likes und 23 Kommentaren, welches Potential darin steckt, wenn wir Social Media souverän machen.
Natürlich haben wir alle unsere eigenen Videos auf Bonn.video gespiegelt und zwei externe Organisationen dort einen Account angelegt. Und wenn euch das noch immer nicht reicht, dann seht ihr auf start.bonn.digital unseren ganzen Server-Park mit sehr vielen föderierten und souveränen Diensten darunter.
Eine neue Statistik betrifft sogenannte „AltTexte“. Die Alternativ-Texte helfen nicht nur Menschen mit Sehstörungen und Blinden dabei Bilder besser zu verstehen. Darum haben wir auf Nachfrage in unsere Datenbank geschaut und möchten euch ermuntern: Schreibt, wann immer ihr könnt zu euren Bildern und Videos Alternativtexte. Anfang 2026 haben ca. 37% aller Medien auf Bonn.social eine alternative Textbeschreibung gehabt. Da geht mehr!
bonn.social/@bonnsocial/116098…
Link zum Post bonn.social/@bonnsocial/116098…
Das erste Mastodon-Meetup in Bonn
Ich möchte an dieser Stelle herzlich Ela Wild danken. Sie ist nicht nur mit ihrem Account und ihre Community zu Bonn.social umgezogen (denn im Fediverse ist ein Umzug möglich, ohne sein Netzwerk aufgeben zu müssen), sondern sie hat 2025 einen Fediverse-Stammtisch organisiert, der 2026 fortgeführt wird. Folgt ihr um zu erfahren, wann der nächste Termin stattfindet, damit wir uns auch im „Bonner Real Life“ treffen können.
bonn.social/@ElaWild/115848580…
Link zum Post bonn.social/@ElaWild/115848580…
Auch das ist für mich ein tolles Zeichen für eine aktive Community im Lokalen, die sich selbst organisiert und Lust hat auf Vernetzung, egal ob digital oder persönlich an einem Ort. Danke Ela! Und kommt gerne zum nächsten Meetup dazu. Wir werden das nächste Meetup (voraussichtlich im März) auch bei Bonn.jetzt, unserem föderierten Event-Kalender, ankündigen.
Money Money Money
So, let’s talk about money. Schauen wir zuerst wieder auf die Einnahmenseite:
- Rund 4000 € (Vorjahr: ca. 2300 €) an freiwilligen Zuwendungen haben wir über Banküberweisungen und regelmäßige Buchungen (41 Abonnent*innen) erhalten. Herzlichen Dank für die wachsende Unterstützung. Das ist richtig gut und darf gerne so weitergehen, denn das gibt uns die Möglichkeit die Angebote auszubauen, wie am Beispiel von Bonn.pics auf Basis von Pixelfed oder Bonn.jetzt zu sehen.
- Wir haben 3 Sponsoren (Vorjahr: 5), die knapp 800 € im Jahr 2025 (vorher: 1000 €) überwiesen haben, um Bonn.social zu unterstützen. Danke darum insbesondere an tänzer:digital, den Deutsch-Südafrikanischen Reisendienst und denRheinwerk-Verlag für die Treue. Wir freuen uns über weitere Unternehmen, die uns substantiell unterstützen wollen. Da steckt mehr Power drin, aber noch sind lokale Unternehmen zurückhaltend.
- Natürlich gab es wieder zahlreiche Vorträge, Beratungen und Engagement für das Fediverse, SaveSocial, den Digital Independance Day und in dem Rahmen auch hier und da eine Vergütung oder Auftrag für Bonn.digital. Besonders hervorheben möchte ich das Projekt „Pallenberg.video„, bei dem wir den YouTube-Kanal von Sascha Pallenberg ins Fediverse gespiegelt haben. Danke Sascha, für das Vertrauen und die tolle Zusammenarbeit!
Wir sind unheimlich dankbar dafür, dass ihr alle uns helft, dieses Angebot auf die Beine zu stellen zu betreiben. Egal, ob ihr uns monetär oder ideell unterstützt: Wir freuen uns riesig über die wachsende Unterstützung aus der Community, der wir uns verpflichtet fühlen. Darum unterstützt uns weiterhin, am liebsten regelmäßig, wenn ihr unsere Angebote nutzt.
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Kosten
Die Ausgabenseite ist immer noch schwierig zu erfassen. Ungezählte Stunden an Administration, Moderation und Kommunikation stecken in Bonn.social, seitdem wir es 2017 gestartet haben. Aber zugleich wissen wir, wie wichtig es ist, dass alternative Angebote aufgebaut werden. Im Kontext der Weltpolitik wird der Wert von digitaler Souveränität immer höher geschätzt und wir sind stolz darauf unseren Beitrag zu leisten und dabei von euch unterstützt zu werden.
Aber wir müssen immer bedenken, dass das Fediverse ein Ökosystem ist: Es gibt Entwickler*innen von Mastodon, die Fediverse-Community, Menschen, die sich um ActivityPub und die Weiterentwicklung der Protokolle kümmern, usw. Wir müssen es schaffen dort für alle nachhaltige Geschäftsmodelle aufzubauen. „Baut tausend kleine Firmen draus“, sagte Padeluun, ein Internetaktivist schon vor Jahren. Wir sind dabei ein solches Unternehmen zu sein, aber die Einnahmen können so keine Personalkosten finanzieren.
Die reinen Server- und Domainkosten betragen 2025 etwa 900 € (600€) im Vorjahr. Dazu muss man sagen, dass wir einerseits sparsam mit den Ressourcen umgehen, andererseits wir dann doch immer wieder an Kapazitätsgrenzen stoßen, weil die Datenbank wächst, der Speicherplatzbedarf steigt, die Server gepflegt werden sollen und zwischendurch auch sehr aktive User*innen dafür sorgen, dass viele Leute die Inhalte von Bonn.social abrufen möchten, was für Lastspitzen sorgt. Wir werden 2026 die Infrastruktur ausbauen müssen, dabei sind RAM und Speicherplatz aufgrund von „Künstlicher Intelligenz“ dummerweise teurer geworden, weswegen wir mit Preissteigerungen rechnen müssen.
Hier ist auch der größte Kostenfaktor die Arbeitszeit, die nicht wirklich gut kalkulierbar ist, da wir parallel viele Dienste betreiben und selbst Bonn.social als Agentur aktiv nutzen. Was weiterhin gut ist: Moderation ist kein größeres Problem. Wir haben weiterhin die moderierte Registrierung aktiv, so dass nur User*innen dazu kommen können, die wir einmal geprüft haben, im Zweifelsfalle fragen wir per E-Mail nach. Danke für so eine nette Gruppe an Menschen, die sich zu benehmen wissen. Wenn man sich andere soziale Netzwerke anschaut, weiß man, dass das nicht selbstverständlich ist. Aber ich glaube auch, dass die Struktur des Fediverse gute Kommunikation begünstigt und das kein Zufall ist.
Fazit und Ausblick
Wir arbeiten daran eure Unterstützung noch leichter zu machen: Beabee, unser Spenden-Tool wird bald auch einmalige Spenden annehmen können. Ebenso arbeiten wir daran, dass ihr Apple Pay und Google Pay benutzen könnt. Die europäische Alternative Wero werden wir anbieten, sobald unsere Bank das unterstützt.
Wir hoffen auch, dass viele Unternehmen und Organisationen sich mit dem Fediverse beschäftigen werden. Der Digital Independence Day mausert sich zu einer großen Bewegung und wir hoffen, dass diese Welle auch 2026 weitergeht und viele Menschen weg von Big Tech zu den Alternativen wechseln.
Wir wollen auch weitere Dienste aufbauen, wie zum Beispiel Loops mit Hochkantvideos im Stile von TikTok. Aber sobald Video ins Spiel kommt, werden die Anforderungen deutlich höher, insofern müssen wir unsere Server, die an der Kapazitätsgrenze laufen, unbedingt ausbauen. Unterstützt uns dabei, damit wir uns das Gute an Social Media wieder zurückholen: echter Austausch, Vernetzung und Teilhabe für alle.
Tech for people-powered media
beabee ist Deine Plattform für Community-Journalismus.
engage. connect.
Santacruz (beabee)
PeerTube statt YouTube: Wie wir über 1.000 Videos umgezogen haben
Videos lädt man bei YouTube hoch. Das ist bequem, kostet scheinbar nichts und funktioniert. Aber gerade wer eine Community aufbaut, Inhalte monetarisiert oder Videos auf der eigenen Website einbettet, zahlt dafür einen Preis: Abhängigkeit von Plattformregeln, Tracking, Fremdwerbung und im Zweifel der komplette Verlust des Kanals. In einem aktuellen Projekt haben wir gezeigt, wie es anders geht: Tech-Blogger Sascha Pallenberg hat seinen YouTube-Account mit rund 1.000 Videos auf eine eigene Video-Plattform umgezogen: zu pallenberg.video, umgesetzt mit PeerTube.
Warum YouTube mehr als ein Videoplayer ist
Viele Unternehmen nutzen YouTube, die Video-Plattform von Google, vor allem als kostenlose Video-Ablage, um Inhalte anschließend auf der eigenen Website einzubetten. Das funktioniert ohne großes technisches Knowhow und man spart man sich den Betrieb eines vermeintlich teuren Video-Servers. Andere, wie unser Kunde Sascha Pallenberg, haben Community-basierte Video-Channels, machen Livestreams und treten dort in direkten Kontakt mit ihren Abonnenten. Der Preis für die scheinbar kostenlose Dienstleistung von YouTube: Google setzt Cookies und bekommt mit, was sich User auf Drittwebseiten anschauen. Dazu kommt Werbung vor, während und nach Videos, auf die man wenig Einfluss hat. Und wenn ein Kanal aus unerfindlichen Gründen mal gesperrt wird, sind Inhalte und Follower verloren.
PeerTube ist Teil des Fediverse. (Grafik: Peertube)
PeerTube als Alternative für die eigene Video-Plattform
PeerTube ist eine freie Open-Source-Software zum Veröffentlichen und Hosten von Videos ohne Lizenzkosten. PeerTube ist Teil des Fediverse, also eines Netzwerks dezentraler Social-Media-Plattformen (z. B. Mastodon, Pixelfed & Co.), die miteinander kommunizieren können. Der zentrale Unterschied zu YouTube: Es gibt nicht „den einen“ Betreiber. Stattdessen können Unternehmen, Organisationen oder Creator ihre eigene PeerTube-Instanz betreiben: unter eigener Domain, mit eigenem Design, eigenen Regeln und eigener Datenhoheit. Besonders spannend für viele: PeerTube unterstützt auch Livestreams und kann im Anschluss automatisch eine Aufzeichnung als Video veröffentlichen.
Aus der Praxis: Unser PeerTube-Server Bonn.video
Wir betreiben seit Januar 2023 unseren eigenen PeerTube-Server unter Bonn.video. Wir haben dafür einen Server (virtuelle Maschinen) bei unserem Hoster tänzer:digital in Bonn gemietet. PeerTube vergleichsweise sparsam bei den Ressourcen. Der meiste Aufwand entsteht beim Hochladen, weil PeerTube die Videos in mehrere Qualitätsstufen umrechnet, damit die Videos auch auf einem Handy mit geringer Bandbreite flüssig laufen. Danach muss der Server aber nur noch Dateien ausliefern, was nur noch vergleichsweise wenig Ressourcen benötigt.
Ein echtes Highlight ist der Import aus YouTube. PeerTube kann öffentliche Videos eines YouTube-Kanals automatisch übernehmen. Titel, Beschreibungen, Schlagwörter und Vorschaubilder werden dabei mitgezogen. Damit entsteht nicht nur eine Kopie, sondern ein echtes Sicherheitsnetz. Selbst wenn man PeerTube zunächst nur als Backup nutzt, hat man die eigene Videobibliothek plötzlich wieder in der Hand. Und natürlich kann man die Videos dann auch auf der eigenen Website einbetten, ohne dass Werbung eingeblendet wird oder man sich mit typischen Drittanbieter-Lösungen behelfen muss, die vor dem Abspielen erst einmal eine Zustimmung erzwingen.
Screenshot aus dem PeerTube-Backend mit den synchronisierten Kanälen Bonn.digital, Barcamp Bonn und Bundesstadt.com
Das Projekt pallenberg.video: über 1.000 Videos umziehen, ohne den Alltag zu sprengen
Sascha Pallenberg ist mit seinem Format MeTacheles ein in Tech-Kreisen sehr bekannter Blogger. Über tausend Videos hat er in den letzten Jahren auf seinem Kanal gesammelt. Die sollten auf eine PeerTube-Instanz unter der Adresse pallenberg.video umgezogen werden.
Sascha wünschte sich eine „fully managed“-Lösung, ohne sich neben seinem Tagesgeschäft noch mit dem Serverbetrieb beschäftigen zu müssen. Gemeinsam mit unserem Technikpartner Sebastian Tänzer haben wir das Setup geplant und umgesetzt. tänzer:digital hat dabei den soliden Unterbau geliefert, also alles, was man im Hintergrund braucht, damit ein Dienst zuverlässig und sicher läuft (Firewall, Backups, Monitoring, Updates, Testumgebung). Wir haben die PeerTube-Instanz anschließend so eingerichtet, dass sie direkt nutzbar ist. Dazu gehörten Accounts, Kanäle, Design, Plugins, die Anbindung ans Fediverse und natürlich der abgestimmte YouTube-Import. Am 18. Januar 2026 waren alle Importe abgeschlossen, alle Videos transkodiert und Sascha konnte seinen Video-Server übernehmen, zur Freude der Fediverse-Community und seiner selbst. Das Ergebnis könnt ihr euch unter pallenberg.video anschauen.
bonn.social/@pallenberg@mastod…
Vorteile einer eigenen PeerTube-Instanz?
- Eigene Plattform: Inhalte, Regeln und Verfügbarkeit liegen bei euch
- Automatisches Backup aller Videos, die ihr produziert habt
- Datenschutzfreundliches Einbetten auf der eigenen Website – ohne YouTube-Tracking
- Keine Fremdwerbung
- Livestreams ohne Werbeunterbrechung (und mit automatischer Aufzeichnung)
- Fediverse-Reichweite: Inhalte sind abonnierbar und kommentierbar auch aus Mastodon und Co.
- Erweiterbar per Plugins (z. B. bessere Player-Funktionen, Untertitel-Tools, Streaming-Features bis hin zu eigenen Werbeanzeigen)
- Automatischer YouTube-Import (solange verfügbar): weniger manueller Aufwand, kein Doppel-Upload.
- Ein gutes Gefühl, die eigene Videobibliothek wirklich unter eigener Kontrolle zu haben.
Fazit: Peertube lohnt sich!
PeerTube lohnt sich vor allem dann, wenn ihr nicht nur gelegentlich mal ein Video hochladet. Wer Videos datenschutzfreundlich einbetten möchte, keine Lust auf Fremdwerbung hat und die eigenen Inhalte langfristig absichern möchte, sollte sich eine eigene Instanz anschauen. Wenn ihr das nicht selbst betreiben wollt, setzen wir euch zusammen mit tänzer:digital PeerTube auf und kümmern uns um Betrieb, Updates und die saubere Migration eurer Inhalte.
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