Schon gemerkt? Autistici/Inventati findet in den Massenmedien nicht statt. Und das ist exemplarisch.
Ich schätze mal, das Thema an sich ist für die breite Masse – und somit auch die breite Masse der Journalisten – komplett unverständlich. Zum einen kann die Presse damit nichts anfangen, weil sie gar nicht peilt, was A/I eigentlich gemacht haben. Zum anderen ist das auch egal, weil bis auf ein paar ultra-nischige Hardcore-Tech-Nerds das sonst auch niemand versteht. Die breite Masse schafft es ja maximal, mit der von weit überwiegend amerikanischen Gigakonzernen beherrschten Tech-Welt mitzuhalten – und mitunter nicht einmal das.
Seien wir mal ehrlich: Auf alle digitalen Alternativen trifft doch dasselbe zu. Alle reden von „digitaler Souveränität“. Aber fast alle und wirklich absolut alle, die in diesem Punkt wirklich etwas reißen könnten, reden von „digitaler Souveränität“ als etwas, womit wir noch gar nicht angefangen haben. Etwas, was noch nicht einmal am Anfang steht, weil noch kein Stück davon aufgebaut wurde. Was schon existiert, ist völlig unbekannt – auch deshalb, weil es in den Massenmedien nicht stattfindet.
Schon GNU/Linux als Desktopsystem kommt in Mainstream-Techmedien doch immer nur dann vor, wenn Windows mal wieder noch weiter enshittifiziert und noch mehr zur Wanze wird, und auch dann nur kurz und punktuell. Eine Woche später ist PC wieder gleich Windows, und „da kanns’ nix machen“, weil es ja keine Alternativen gibt.
Im Bereich der sozialen Netzwerke und sozialen Medien ist es noch schlimmer. X, Facebook, Instagram, TikTok – alle ganz schlimm. Aber Alternativen dazu werden entweder nur grob angeschnitten, ohne Namen zu nennen, oder gleich ganz verschwiegen. Das könnte die breite Masse überfordern. Im Grunde überfordert es die Journalisten ja schon. Oder die Existenz irgendwelcher wie auch immer gearteter Alternativen wird negiert, weil sie gänzlich unbekannt ist. Okay, ja, X ist scheiße. Aber „kanns’ ja nix machen“, weil „gibt ja sonst nix“.
Selbst Mastodon kommt allem vergangenen Hype zum Trotze in Techmedien nur selten und in Massenmedien überhaupt nicht mehr vor – nicht einmal bei den Massenmedien, die selbst auf Mastodon sind. Die Journalisten, die über soziale Medien schreiben, stehen in keinerlei Kontakt zu den IT-Leuten, die den Mastodon-Account betreiben.
Ich glaube, wenn man Journalisten direkt auf Mastodon als mögliche Alternative zu X ansprechen würde, wäre die weit häufigste Antwort: „Kenn’ ich nicht. Was ist das?“ Alternativ: „Ach ja, da war ja was. Wann war das noch? 2022? Da gab’s doch diesen Hype, als Musk Twitter gekauft hat. Gibt’s das wirklich noch? Aber da ist doch keiner mehr, oder?“
Übrigens erklärt das auch, warum es W Social gibt. Europa brauchte dringend eine eigene Alternative zu Elon Musks X. „Gab ja keine.“ Hallo? Mastodon kommt aus Deutschland. Pleroma kommt aus Deutschland. Akkoma kommt aus Deutschland. „Gab ja keine“, mein Arsch. Fünf Sekunden Google hätten Monate und Millionen an Steuergeldern für die Entwicklung von etwas von der Usability her derart Grauenvolles und Halbgares eingespart. Ja, Google – oder glaubt irgendjemand allen Ernstes, solche Leute nutzen SearX oder 4get oder auch nur Qwant?
Okay, mit Alternativen zu Facebook ist es schwierig. Facebook ist ein soziales Netzwerk. Da greift der Netzwerkeffekt. Soziale Netzwerke wählt man danach, wo Leute sind, die man schon anderweitig kennt. Facebook selbst hatte ja in Deutschland einen schweren Start, weil: „Was soll ich da? Da kenn’ ich doch keinen. Alle meine Freunde sind bei StudiVZ/MeinVZ/Wer-kennt-wen.“ Und heute sind besagte Freunde eben alle auf Facebook. Oder irgendwoanders wie Instagram, was gar kein soziales Netzwerk ist, aber wie eins genutzt wird, weil man nicht nach Facebook will, weil das „nur was für Boomer“ ist.
Friendica, die bekannteste – aber weder einzige noch neueste – Facebook-Alternative im Fediverse, hat einen besonders schweren Stand. Zum einen könnten nur ganze Familien oder Freundeskreise zusammen beschließen, es auszuprobieren, damit da schon „jemand“ ist. Zum anderen und und vor allem war Friendica in den 16 Jahren, die es existiert, vielleicht ein- oder zweimal in irgendwelchen Techmedien und noch nie in Massenmedien. Deswegen glaubt in Deutschland fast jeder, Facebook hätte auch rein technisch das absolute Monopol auf soziale Netzwerke.
Alternativen zu Facebook existieren. Friendica existiert. Und auch Friendica wird in Deutschland entwickelt. Aber nichts davon ist bekannt. Also wird über nichts davon geschrieben oder gesprochen. Also wird auch nichts davon bekannt. Selbst wenn ein Journalist mal darüber stolpern sollte, würde es ihm wahrscheinlich ähnlich nischig, nerdig und für Otto Normalverbraucher – und ihn selbst – unverständlich vorkommen wie die aktuell gerade heißeste Linux-Distribution.
Instagram ist das soziale Netzwerk der Millennials. Aber technisch gesprochen ist es ein soziales Medium. So gesehen wäre es einfach, da rauszukommen und Alternativen zu nutzen. Aber auch hier wird so getan, als gäbe es absolut nichts, das auch nur technisch in der Lage wäre, als Alternative zu Instagram zu dienen.
Ja, es gibt Pixelfed – das übrigens in Kanada entwickelt wird. Ja, es ist eine ziemlich gute Instagram-Alternative. Man kann sogar den Inhalt ganzer Instagram-Konten nach Pixelfed importieren. Man verliert also bei einem Umstieg keinerlei Content. Und auch Pixelfed ist nicht die einzige mögliche Alternative zu Instagram im Fediverse, nur eben die bekannteste.
Aber Pixelfeds gesamte Bekanntheit reduziert sich aufs Fediverse. Außerhalb ist es ebenso unbekannt wie alles andere im Fediverse, was nicht Mastodon ist.
Und so gibt’s auch beim Thema „Alternativen zu Instagram“ sogar in Tech-Kreisen überwiegend das große Schulterzucken: „Gibt ja nix.“ Gründe: siehe Alternativen zu X und Facebook. Dieselben Gründe, wie warum überhaupt gar nicht über konkret existierende Alternativen zu irgendwelchen US-Giganten gesprochen oder geschrieben wird.
Der DI.DAY hat noch einen verdammt weiten Weg vor sich. Zunächst, um überhaupt außerhalb der eigenen Blase bekannt zu werden, wo er eigentlich fast nur noch dazu dient, noch ein paar Leute von Google Mail wegzubekommen oder den letzten paar Windows-Usern Linux Mint schmackhaft zu machen. Und dann, um außerhalb der eigenen Aktivistenkreise anerkannt zu werden als etwas, was nicht einfach nur eine Veranstaltung von Übernerds für Übernerds ist. Etwas, was genau das promotet, von dem der ganze Rest der Prediger der digitalen Souveränität der felsenfesten Ansicht ist, es könne unmöglich schon existieren und müsse erst noch erschaffen werden.
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An jedem ersten Sonntag im Monat veranstalten wir den Digital Independence Day. Wir holen uns unser freies digitales Leben zurück und wechseln zu demokratiefreundlichen digitalen Alternativen.
di.day
Generationen
Eigentlich sollten doch Generationen klar definiert sein, oder?
- Silent Generation: Geburtenjahrgänge vor den Baby Boomers bis zurück nach 1928.
- Baby Boomers: je nachdem, wen man fragt, entweder ab 1946 oder ab 1950 bis 1964.
- Generation X: 1965 bis 1980.
- Generation Y a.k.a. Millennials: 1981 bis entweder 1995 oder 1996.
- Generation Z a.k.a. Zoomers: 1996 oder 1997 bis 2010 oder 2012.
- Generation α: 2011 oder 2013 bis 2025.
- Generation β: seit 2026, wobei einige den Start einer neuen Generation noch nicht anerkannt zu haben scheinen.
Aber fragt mal einige von denen, die im 21. Jahrhundert geboren sind. Die sehen sich selbst als „Millennials“ und jeden als „Boomer“, der entweder im 20. Jahrhundert oder mindestens ein, zwei Jahre vor ihnen geboren wurde.
Es gibt natürlich auch die, die die Generationeneinteilung akzeptiert haben. Aber da gibt es dann die Zoomers, für die schon die Millennials allesamt altbacken sind. Oder gar die in der Generation α, für die schon die Zoomers von gestern sind.
Was aber alle Generationen ab den Millennials gemeinsam zu haben scheinen: Sie tun so, als hätte es die Generation X nie gegeben. Entweder: ohne Internet aufgewachsen = Boomer. Oder die Generation X fällt einfach nicht auf.
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